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Geschichte von Schöfflisdorf


Schöfflisdorf ist eine Landgemeinde im Zürcher Unterland – eine von 171 Gemeinden im Kanton Zürich.
Im Jahr 2008 leben knapp 1200 Einwohner in dieser Gemeinde – die ersten Bewohner lebten hier von etwa 3800 Jahren.

Im Frühling 1960 beschlossen die Stimmberechtigen von Schöfflisdorf nach dem Antrag des Gemeinderates, ein Buch über die Ortsgeschichte drucken zu lassen.

Die von Heinrich Hedinger, alt Lehrer in Regensberg verfasste Chronik erschien 1965 und ist vergriffen.

Das vergriffene Werk ist nachfolgend als pdf vorhanden und kann heruntergeladen werden.
Es handelt sich um das die Chronik inklusive aller Bilder.
(die gescannte Version wurde dem Gemeinderat von einem Einwohner geschenkt - herzlichen Dank).

Chronik als PDF zum Herunterladen (Gemeindechronik 88.0 MB)

Nachfolgend Ausschnitte und Zusammenfassungen aus dieser Chronik.

Herr Hedinger hat seine Chronik in 3 Teile gegliedert:
1. Teil: Von der Urzeit bis zum Jahre 1500
2. Teil: Aus den Jahren 1500 bis 1800
3. Teil: Vom Jahre 1800 bis zur Gegenwart

  

1. Teil: Von der Urzeit bis zum Jahre 1500

Aus der Vor- und Frühgeschichte

Nach den heutigen Auffassungen der Fachleute lebten die ersten Bewohner dieser Gemeinde vor etwa 3800 Jahren. Das war am Ende der Steinzeit. An jene Menschen erinnern die Grabhügel auf der Egg. Diese kleinen Bodenerhebungen wurden früher als Römergräber oder „Heidenbückli“ bezeichnet.
In den Waldungen der Egg entdeckte man über 30 solcher Hügelchen, von denen sich mindestens 23 auf Schöfflisdorfer Boden befinden. An diesen Stellen wurden einest Tote verbrannt. Diese bei uns fast zum erstenmal bemerkte Feuerbestattung begründete die Eigenart der hiesigen Gräber. Die Asche wurde samt allerlei Beigaben in eine Vertiefung gelegt. Diese Totenstätte schützte man durch einen rundlichen, mit Steinen bedeckten uni eingefassten Erdhaufen. Einzelne Bodenerhebungen sind noch etwa einen Meter hoch und weisen einen Durchmesser von sechs bis neun Metern auf.
Das Leben jener Menschen kann man sich ungefähr so vorstellen: Sie waren ums Jahr 1900 vor Christus von Norden her hierher gekommen. Weil das Wehntal sumpfig war, siedelten sie sich am Südhang der Egg an. Dort erbauten sie rechteckige, unterteilte und mit Stroh bedeckte Holzhäuser. Sie waren nicht mehr umherziehende Jäger und Fischer, sondern bereits sesshafte Bauern.
In der nachfolgenden Bronzezeit (1800-800 v. Chr.) fertigten die Bewohner bessere Gerätschaften. Pflug, Wagen und Pferdezucht kamen auf.
Die nachfolgende Eisenzeit ermöglichte weitere Forstschritte. So kamen Sensen und Aexte auf.
Im zweiten Jahrhundert v. Chr. Drangen von Norden her die Helvetier  bei uns ein. Sie gehörten zu den Kelten und hatten schon einen Staat, Adelige und Landsgemeinden. Ihr Aufenthalt im Wehntal bezeugt eine in Niederwenigen gefundene Goldmünze.
Die Römer kamen erst nach Christi Geburt in unser Land und liessen die Helvetier weiterhin bei uns wohnen. Ein römischer Nebenweg führte von Baden aus durch das Wehntal nach Bülach. In seiner Nähe liessen Veteranen (ausgediente Soldaten) und Beamte grosse Gutshöfe erbauen.
Im 5. Jahrhundert waren in Italien Unruhen ausgebrochen, weshalb das römische Militär in jenes Land abberufen wurde. Nun gelang es den nördlich des Rheins wohnenden Alemannen, sich nach einer grossen Völkerwanderung vor dem Jahre 500 bei uns niederzulassen. In Bezug auf Schöfflisdorf nimmt man aber an, es sei nicht schon zu jener Zeit sondern erst im 8. oder 9. Jahrhundert gegründet worden. Die germanischen Neusiedler gerieten bald unter die Herrschaft der benachbarten Franken, die unser Land zwar nicht besetzten, aber doch verwalteten. Damals war es in Gaue, Hundertschaften und Sippenverbände unterteilt. Die letzteren umfassten das Wohngebiet einzelner Familien, deren Angehörige meist beisammen blieben. Die Alemannen bezeichnete man als unsere Stammväter, an die uns unter anderem noch die Mundart und etliche Bräuche erinnern.
Dazumal kamen bei uns auch neue Gesetze auf, und an grossen Landsgemeinden und Gerichtsversammlungen wurde die Verwaltung immer mehr geregelt.

Die Zeit zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert

Aus dieser Zeit gibt es immer mehr schriftliche Berichte. Dazu gehören in erster Linie die Urkunden. Das sind Briefe, die bei uns im 8. Jahrhundert aufkamen. Sie wurden auf Pergamentblätter geschrieben, die aus Tierhäuten hergestellt waren. Ihre meist geistlichen Verfasser bedienten sich dabei bis ins 13. Jahrhundert hinein der lateinischen Sprache. Am  Anfang waren diese Nachrichtenquellen noch nicht häufig, was besonders für Schöfflisdorf gilt, dessen Name urkundlich erst 1285 genannt wurde. Andere Ortsbezeichnungen waren viel früher aufgetaucht. So hatte man zum Beispiel schon im Jahre 828 das Waninctal (Wehntal, nach dem Niederweninger Dorfgründer Wano) erwähnt.
In Bezug auf die staatliche Entwicklung gehörte unser Landesteil am Anfang dieses Zeitraumes noch zum Herzogtum Alemannien und merkwürdigerweise zum Thurgau, von dem er erst ums Jahr 850 abgetrennt wurde. Wahrscheinlich bildeten die Bewohner unserer Gegend eine sogenannte Zentene (Hundertschaft), deren Leiter mit seinem Machtanspruch die auffallend quer durch das Wehntal verlaufenden Gemeindegrenzen bestimmte. Im 9. Jahrhundert machte sich die Verwaltung der Franken in zunehmender Weise bemerkbar.
Wie sah wohl das damalige Schöfflisdorf aus? Wahrscheinlich bestand es im 9. jahrhundert nur aus einigen hölzernen und mit Stroh bedeckten Häusern. Die ganze Siedlung war mit einer Grünhecke eingefasst, die man Etter nannte. Als sich nach und nach die Volkszahl etwas vergrössert hatte, wurde es im 13. Jahrhundert auch bei uns üblich, den Geschlechtsbezeichnungen noch Vornamen beizufügen. Dazumal gab es hier drei Arten von Dorfbewohnern. Zur ersten zählte man die paar noch einigermassen freien Bauern. Auf einer niedrigeren Stufe befanden sich die Hörigen. Sie gehörten zu einer bestimmten Landschaft und konnten nur samt dieser veräussert werden. Die dritte Gruppe bestand aus Leibeigenen. Ihr Leib war Eigentum eines geistlichen, ritterlichen oder anderen Grundherren, der mit ihnen machen durfte, was er wollte.

Was die Flurnamen bedeuten

Neben den Bodenfunden, Schriftstücken und Gegenständen gibt es noch andere Zeugen der Vergangenheit. Das sind Flurnamen, die nicht nur durch Urkunden, sondern auch mündlich überliefert wurden. Ihre Anführung erfolgt hier, weil sie mit der mittelalterlichen Landwirtschaft eng zusammenhangen und meist in diesem Zeitabschnitt entstanden sind.

Einige Beispiele:

Askerbe               Kerbe (Einschnitt, Hohlweg), wo die Waldarbeiter zu essen pflegten
Bann                    als Viehweide gebannt (verboten)
Bärlisacher          wo einst noch ein Bär bemerkt worden war
Binzacher            wo viele Binsen (grasähnliche Sumpfpflanzen) wuchsen
Blitzger                 hängt wohl wie anderswo mit einem Blitzschlag zusammen
Brand                   Waldstück an der Egg, durch Niederbrennen gerodet
Buck                    aufgebogene Hügelform
Chaltbrunn           auffallend kühle Quelle
Galgenacher        frühere Richtstätte
Hauffeld               „Hauf“ als früheres Wort für Hanf
Hirzeren               wo noch Hirsche vorkamen
Hundacher           schlechter oder kleiner Acker
Ifang                     eingefangenes, d.h. kleines Stück (Privat)-wald
Lätten                   Lehmboden
Meieracher           nach Geschlecht
Pfrüenderwies      Ertrag für die Pfründe (Pfarrbesoldung)
Platte                    Ebene
Röhrler                 Sumpfige Gegend mit Schilfrohr
Strackeren           von langgestreckt
Tollacher              nach „Tole“ (Vertiefung)
Trättacher            den der Nachbar beim Pflugwenden betreten durfte
Wolfgrueb             wo man in verdeckten Gruben Wölfe fing


Wie der Ortsname entstanden ist

Im Jahre 1285 schrieb man Schephelstorf, 1287 Schefelstorf, 1305 Scheffelstorf, 1310 Scheffilsdorf, 1331 Schoefelsdorf, 1467 Schoeffelstorff, 1548 zum ersten mal wie heute, 1549 Schöpflistorf, 1617 Söfflistorf und 1713 Schäflisdorf.
Nach der letzten Form entstand bald darauf das Gemeindewappen mit dem Schäfchen. Und, was steckt nun hinter dem zwei ersten Silben dieses Ortsnamens? Am einfachsten wäre es, das alte Getreidemass des Scheffels anzunehmen, welche Bezeichnung man aber im Zürichbiet nie brauchte. So kam wohl die bisher übliche Erklärung auf, es handle sich da um die Ansiedlung eines alemannischen Dorfgründers Scefilo. Leider ist dieser Name aber urkundlich nicht nachweisbar. Ebenso verhält es sich hier in Bezug auf das Stadtgeschlecht Schafli. Ferner wurde zeitweise an einen Schopf gedacht, das heisst wie bei Stadel an eine Gebäudebezeichnung. Dem widersprechen die ältesten Formen, was auch gilt für die spätere und volkstümliche Ableitung vom Wappentier des Schäfchens, von dem einst sogar gesagt wurde, es hätte sich zur Geisterstunde in der Nähe des Dorfes gezeigt.
Zu dieser Namensdeutung äusserte sich Dr. Hans Kläui in Oberwinterthur, ein sprachgeschichtlich hervorragend ausgewiesener Fachmann. Er beantwortete die Anfrage des Verfassers brieflich wie folgt: Die Orte, deren Namen mit –dorf enden, wurden nicht schon während der frühesten alemannischen Besiedlung gegründet, sondern erst im 9. Jahrhundert, als bei uns fränkische Grafen regierten. Diese oder ihre Stellvertreter hielten da und dort Gerichtsversammlungen ab, zu denen sie als besonders gewandte „Urteilsfinder“ sogenannte Schöffen herbeizogen. Deren Benennung war hier allerdings nur in der damaligen Amtssprache üblich. Auf mittelhochdeutsch schrieb na schephe oder scheffe, welcher Titel so auffallend erschien, dass man danach den Wohnort seines Trägers nannte. Aus Scheffensdorf wurde früh durch den auch anderswo feststellbaren Wechsel von n zu l Scheffelsdorf und Scheffilsdorf. – Diesen bedeutsamen Angaben fügt der Chronist noch bei, dass die nachfolgende Rundung des e zu ö auch in der älteren Mundart noch zu bemerken ist, zum Beispiel bei den Wörtern Schemel- „Schömel“ oder Schelm- „Schölm“. Später kam dazu noch eine Verkleinerung der Schreibweise, die also das ehemalige Schöffendorf bezeichnete.


Die erste urkundliche Erwähnung

Der Name Schöfflisdorf wurde urkundlich erstmals auf einem Pergament erwähnt, das einen Grundstückhandel festhält. Das Datum ist der Valentinstag (14. Feb.)1285. (Schöfflisdorf bestand damals bereits seit etwa 4 Jahrzehnten).

Weitere freiherrliche Veräusserungen

Im Jahre 1302 verkauften die Freiherren von Regensberg das Lägernstädtchen samt anderen ihnen in der Umgebung noch verbleibenden Erbstücken an das Haus Habsburg-Oesterreich. So wurde das Wehntal ein Teil des österreichischen Amtes Regensberg.

Die Entstehung der Gemeinde

Damit ist nicht das Dorf gemeint, sondern dessen Verwaltung. Von ihrem Anfang weiss man nicht viel, da im Mittelalter fast nur geschäftliche Tatsachen aufgeschrieben wurden. Das war bedingt durch die Dreizelgenwirtschaft, die nicht jeder nach seinem Kopf betreiben konnte, und ferner durch allerlei gemeinsame Arbeiten an Wegen, Bächen und im Wald, was man schon früh als Gemeinwerk bezeichnete. Sie gaben sich auch ein eigenes Dorfgesetz, das man Offnung nannte, weil es zu Beginn der Gemeindeversammlung feierlich geöffnet und verlesen wurde. Es bestimmte unter anderem die örtlichen Rechte und Pflichten, den Zelgenbetrieb und die Gemeindegrenzen. Um sie den Bürgern einzuprägen, veranstaltete man oft sogenannte Umgänge. Und, wer leitete einst die gesamte, noch sehr einfache Verwaltung? Das war anfänglich ein hiesiger Vertreter der Klöster oder Edelleute, bald aber ein sogenannter Dorfmeier.
Im Frühling 1409 musste der österreichische Herzog das halbe Unterland der Stadt Zürich versetzen. So wurde unsere Gegend ein Teil des zürcherischen Stadtstaates. Damals errichtete man die Herrschaft Regensberg, zu de ausser Schöfflisdorf noch 12 andere Gemeinden gehörten. Ihr Gebieter war jetzt ein Landvogt, der wie eine Art Statthalter, Kreiskommandant und Gerichtspräsident von der „Burg“ herab die Untertanen mehr oder weniger gnädig regierte. Als sein Stellvertreter amtete ein einheimischer Untervogt. Die staatliche Verwaltung wurde nun samt der Aufsicht über die Gemeinden und ihre Bewohner viel straffer gehandhabt als früher, so dass viele Bauern sagten, es sei ihnen unter den Österreichern wohler gewesen. Ihre Verbitterung steigerte sich immer mehr und war neben andern eine der Ursachen jenes Aufstandes von 1489, bei dem der Bürgermeister Hans Waldmann hingereichtet wurde. Die Wehntaler wirkten bei diesen Unruhen nicht mit, freuten sich aber doch, dass nachher einige Abgaben ermässigt und die Verwaltung etwas verbessert wurde, was sich auch in Bezug auf die Gemeinde zeigte.

Kriegswirren und andere Plagen

Im Mittelalter kam es alle paar Jahre da und dort zu Überfällen, Plünderungen und kleineren oder grösseren Kriegszügen. Unter solchen hatten auch die Wehntaler sehr zu leiden. So erschienen zum Beispiel die Zürcher während der Fehde, die sie anno 1267 gegen die Freiherren von Regensberg führten, im Unterland, wo sie die Burg auf der Lägern zerstörten, und es darf angenommen werden, sie hätten nachher von dort aus nicht nur die schöne Aussicht betrachtet, sondern die Umgebung noch heimgesucht. Bestimmtere Nachrichten liegen aus der Zeit des Sempacherkrieges vor. Im Mai 1351 hatte sich die Stadt Zürich dem Schweizerbund angeschlossen. Unsere Gegend aber war immer noch österreichisch und wurde deshalb im Sommer 1386 von städtischen Abteilungen durchstreift. Diese trachteten gemäss dem rohen Kriegsbrauch danach, dem Gegner an seinen Beisitzungen und denjenigen seiner Untertanen so viel als möglich zu schaden.  Schöfflisdorf wurde zwar nicht angezündet aber doch vollständig ausgeplündert. Auf dem Heimweg beschossen diese Soldaten noch das Städtchen Regensberg und besiegten beim Chrästel östlich von Bachs die sie verfolgenden Österreicher, unter denen sich auch die erbitterten Wehntaler befanden. Die meisten von diesen wurden erschlagen und hatten also umsonst versucht, das geraubte Vieh wieder heimzutreiben.
Ihre Leiden hatten damit übrigens noch kein Ende; denn nun zogen die Feinde der Städter im Land umher, um zürcherische Gebiete zu verwüsten. Als erster Plaggeist erschien hier im Frühling 1410 der Ritter Heinrich von Rümlang mit seinen Anhängern und plünderte in der Fehde, die er gegen Zürich führte, hauptsächlich das Wehntal.
Die nachfolgende Ruhepause dauerte nur bis zum Zürichkrieg. Dieser war darum ausgebrochen, weil die Städter und die Schwyzer gern das Gebiet zwischen dem Zürich- und dem Walensee erworben hätten. Deswegen kam es zu einem langen Bruderzwist, in dem die Zürcher den anderen Eidgenossen gegenüberstanden. Als sich dann die ersteren mit den Oesterreichern verbündet hatten, marschierten ihre darob erzürnten Gegner ins Zürichgebiet ein, um es grauenhaft heimzusuchen. So kam ein grosser Teil des Heeres im Juni 1443 von Baden her auch in unsere Gegend. Die Soldaten richteten mit ihren Wagen die Getreidefelder zugrunde, schnitten die Reben ab, töteten eine Menge von Leuten und Haustieren, verbrannten ein paar Dörfer sowie das Städtchen Regensberg und veranlassten schliesslich viele Einheimische, den Eidgenossen zu huldigen, das heisst Treue zu schwören. Damals dienten im zürcherischen Heer, das aber fast nur zur Verteidigung der Stadt eingesetzt wurde, auch elf Schöfflisdorfer. Im August 1444 erschienen die Zürcher bei uns, um die abtrünnigen Landleute zu bestrafen. Noch ärger war ihr Raubzug im Juni 1445. Damals durchpflügten sie zuerst die benachbarte Grafschaft Baden und auf dem Heimweg das Wehntal, dessen Bewohner sie für die mehrheitlich eidgenössische Gesinnung grausam züchtigten. Sie nahmen ihnen 1000 Stück Vieh sowie massenhaft Hausrat und Fahrhabe weg, äscherten die kaum wieder aufgebauten Dörfer ein, zwangen die Bauern erneut unter das zürcherische Joch und überliessen sie dann in gar nicht landesväterlicher Weise der Verarmung. Das war keine gute alte Zeit!
Mit der Darstellung dieser Kriegswirren ist das damalige grosse Elend der Landbevölkerung aber nicht vollständig geschildert. Dazu kamen nämlich noch ein paar allgemeine Plagen. Als ärgste sind der „Schwarze Tod“ (Lungenpest) und der eiternde Aussatz zu nennen, die besonders in den Jahren 1125, 1349, 1401, 1434 und 1438 ihre Opfer forderten. Im letztgenannten Seuchenzug wurden auf der Landschaft viele Tausende von Menschen dahingerafft, und vielenorts musste man die beinahe ausgestorbenen Ortschaften mit Überlebenden aus der Umgebung wieder einigermassen besiedeln.
Grässliche Zustände herrschten ferner während der Hungersnöte, die sich zwischen 1300 und 1400 fast jedes sechste Jahr ereigneten. Da kam es vor, dass viele Leute sich mit Gras, Sauerampfer, Moos, Rinde und Mäusen zu sättigen versuchten. Ueberdies besassen manche in ihrer Armut keine rechten Kleider und mussten darum an Sonntag daheimbleiben. – Dannzumal waren in den Dörfern die meisten Häuser aus Holz erbaut und mit Stroh bedeckt, weshalb oft grosse Feuersbrünste entstanden. Alle genannten Beschwerden und dazu noch die vielen Abgaben verursachten zeitweise eine sehr kümmerliche Lage der damaligen Landbewohner.



2. Teil: Aus den Jahren 1500 bis 1800

Übersicht

Ein Hinweis auf die allgemeinen Zustände ist auch hier nötig, denn diese sind gewissermassen der Rahmen zum Bild der Dorfgeschichte. In Bezug auf die Landesverwaltung war es so: das damalige Zürichbiet bezeichnete man als Stadtstaat, weil die Hauptstadt einst die einzelnen Teile erworben hatte und mit ihren Beamten bis 1798 regierte. Die oberste Behörde war der Kleine Rat, der aus den zwei abwechselnden Bürgermeistern und 48 weiteren Vorgesetzten bestand. Diese 50 Regenten bildeten zusammen mit 162 anderen Stadtherren den Grossen Rat von 212 Mitgliedern. Von beiden Obrigkeiten kann man sagen, sie hätten die Verwaltung während einer langen Zeit in vorzüglicher Weise besorgt. Ihre Vertreter fühlten sich nach der Reformation als Landesväter verantwortlich für das Wohl aller Untertanen und begründeten mit dieser Gesinnung auch ausserhalb der Stadt viel bessere Zustände. Zudem blieben die vielen Plünderungen nun aus, und es folgte eine langfristige und fast ungestörte friedliche Entwicklung. Der Bauer brachte sich wieder eher durch , war nicht mehr so rechtlos wie früher und konnte zum Beispiel Amtsrichter, Herrschaftsuntervogt oder Hauptmann werden. – In diesem Zeitraum bestanden im Zürichbiet noch keine Bezirke, sondern 22 kleinere Obervogteien und 8 grosse Landvogteien. Diejenige unserer Gegend wurde schon im ersten Teil erwähnt. Was ihr Gebieter hauptsächlich zu tun hatte, ersieht man aus dem Eid, den er der Regierung schwören musste. Damit versprach er unter anderem, „der Herrschaft ir Recht und Freyheit zu erhalten und Zinse, Zechenden, Bussen und Nutzungen geflissentlich einzuziehen und jährlich die Rechnung zu bringen und über das alles ein gleicher Richter zu seyn, dem Armen wie dem Reichen, dem Frömmden wie dem Heimbschen, niemand zu lieb und niemand zu leid“. Neben seinem stellvertretenden Herrschaftsuntervogt amtete hier seit 1530 noch ein Landschreiber, der den Bauern bei ihrem Liegenschaftenhandel Briefe ausstellte. Gebundene Schöfflisdorfer Grundprotokolle liegen erst seit 1627 vor.
Dannzumal kannte man noch keine eidgenössischen und kantonalen Gesetzbücher, aber eine Menge von einzelnen Verordnungen. Das waren die sogenannten Mandate der Regierung und des Landvogtes, die der Pfarrer nach der Predigt verlesen musste. Sie befassten sich meist mit der Gesundheitspflege, Sparsamkeit und Sittenverbesserung. Solche Kreisschreiben verboten zum Beispiel „das höchst schädliche Kriesibrennen“ sowie den Tabakgenuss, womit man „sein Maul zu einem Rauchfang des Satans machte“. Untersagt wurden ferner alle Vergnügungsreisen, „die ohnmässigen Füllereyen in den Wirtshäusern“, das „Ueberhocken“ nach der auf 9 Uhr angesetzten Polizeistunde, die zu grossartigen Hochzeits- und Taufemähler, das Fluchen und „das teuflische Treiben der Nachtbuben“. – Neben diesen Mandaten gab es bei uns noch eine Art Bezirksgesetz, nämlich das Regensberger Herrschaftsrecht von 1538. Daran hatten sich die 12 bäuerlichen Amtsrichter zu halten. Ein paar interessante Artikel seien hier kurz angeführt. Sehr oft waren allerlei Rauferein zu beurteilen. Dabei unterschied man zwischen „Blutruns“ (Bluterguss) und blossem „Herdfall“ (Fallen zur Erde). Merkwürdigerweise wurde bei uns ein gewöhnlicher „Fust- oder Mulstreich“ weniger hoch gebüsst als in andern Landvogteien. Brauchte eine Frau „Mannenwaffen“ so bestrafte man sie gleich wie einen Vertreter des stärkeren Geschlechtes. Wer sich beim Mähen oder Pflügen am angrenzenden Land vergriff, hatte dafür die grosse Busse von 10 Pfund (dem halben Wert eines Ochsen) zu entrichten, was zeigt, wie sehr man dazumal das Eigentum schätzte. So galt denn auch das Versetzen von Marksteinen als „malefizisch“ (hochgerichtlich) und musste dem Rat in Zürich zur Bestrafung überwiesen werden. – Ausser dem Amtsrecht bestand noch ein Dorfgesetz.
Im 17. Jahrhundert verbreitete sich in ganz Europa der neue Zeitgeist der sogenannten Aristokratie. Das heisst auf Deutsch Herrschaft der Besten oder Vornehmsten, und als solche betrachteten sich nun auch viele reiche Stadtzürcher. Sie erhoben sich hoch über die andern Bürger und Landbewohner, beanspruchten den Junkertitel und glaubten, sie allein seien von Gottes Gnaden regierungsfähig. Nach und nach brachten sie es fertig, alle höheren Amts-, Offiziers- und Pfarrstellen sowie viele andere Vorrechte an sich zu ziehen; aber der übermässige Reichtum verwickelte sie wie einest die Ritter in gefährliche Spannungen mit den unteren Volksklassen. Weil diese Aristokraten in Zürich viele Anhänge fanden, entstand im 18. jahrhundert zwischen Stadt und Land der grösste Gegensatz aller Zeiten, und als dann von Frankreich aus revolutionäre Ideen verbreitet wurden, fanden diese auch bei manchen hiesigen Bauern Anklang.

Von der alten Schule

Die Anfänge der Landschule hängen eng mit der Geschichte der Kirche zusammen und sind noch wenig erforscht, sodass man nicht genau sagen kann, wie es im Mittelalter um sie bestellt war. Vermutlich wurden nur die Kinder der vornehmen Leute einigermassen unterrichtet. Das änderte sich nach der Reformation, weil Zwingli gewünscht hatte, alles Volk sollte in der Bibel lesen können. Diese Kunst musste nun auch ausserhalb der von jeher mit Schulen versehenen Städte gelehrt werden. Das besorgten in Schöfflisdorf wohl über 100 Jahre lang die Pfarrhelfer von Niederweningen, aber nur mit begabten Knaben, freiwillig und ohne bestimmte Einrichtungen.
Erst anno 1637 erliess die Obrigkeit eine „durchgehende Ordnung für die Schulen der Landschaft“, die eine Menge Fortschritte brachte. Dazu gehörten unter anderem die Anstellung besonderer Lehrer sowie eine gewisse Unterrichtsdauer, die Absenzenliste und die Trennung der Fächer.
Damals bestand also noch keine Schulpflege, denn die gesamte Jugenderziehung wurde von der kirchliche Behörde überwacht.
Anfänglich unterrichtete der Lehrer alle Kinder bei sich daheim, nach dem Bau des Pfarrhauses stellte man ihm im Erdgeschoss eine Schulstube zur Verfügung.
Die Zahl der Schüler und Stunden war zur Winterszeit grösser als im Sommer. Eine Nachtschule stand an drei Abenden für ältere Knaben und Mädchen im Betrieb, gab aber oft Anlass zu Klagen, weil die Jugendlichen auf ihrem Heimweg allerlei Unfug trieben.
Aus einem Bericht aus dem Jahre 1771 erfahren wir, dass die Schule im Winter von 25 Knaben und 15 Mädchen im Alter von 5 bis 14 Jahren besucht wurde, im Sommer aber nur von etwa 30 Kindern. Aermere Jugendliche, die schon einen Arbeitsplatz gefunden hatten und trotzdem noch zur Schule wollten, entschädigte man hier für den dadurch entstandenen Lohnausfall aus dem Kirchengut. Der Lehrer erhielt von jedem Kind einen wöchentlichen Schullohn.

Die frühere Landwirtschaft

Diese trug bis weit ins 18. Jahrhundert hinein noch die Fesseln des uralten Dreizelgenzwangs, und wer daran rüttelte, konnte gebüsst werden.
Nach dem Jahre 1730 vergrösserte sich die Volkszahl im Zürichbiet stark. Nun musste die Obrigkeit zur Sicherstellung der Landesversorgung etwas mehr unternehmen als bisher. Sie empfahl den Bauern mit allerlei Druckschriften gewisse Verbesserungen und wies die Regierungsvertreter an, solche Fragen eingehender zu studieren. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts regte die Obrigkeit weitere Verbesserungen an. Viele Bauern begannen damals, ihr Vieh das ganze Jahr im Stall zu füttern, wodurch sie mehr Mist und Jauche erhielten. Nun konnten sie die Brachzelg düngen, so dass diese nicht mehr ausruhen musste. Damit fiel der Hauptgrund des Dreizelgenbetriebes weg. Da und dort fing man an, sumpfige Felder zu dränieren (entwässern), schlechten Boden zu regolen (tief umgraben) und Klee und Kartoffeln zu pflanzen. Die letzteren waren schon vor 1600 von Südamerika nach Europa gebracht, aber nicht allgemein geschätzt worden. Da und dort verharrte man über 100 Jahre lang im Vorurteil, diese fremden Früchte seien giftig, könnten Kopfweh verursachen und höchstens als Schweinefutter dienen. Erst während der Hungersnot 1771 wurden die Erdäpfel oder Grundbirnen zum „Brot der Armen“.
Die Bauern hatten verschiedene Abgaben zu leisten: Zehnten, Grundzinse, Gülten und gewöhnliche Pachtzinsen sowie Vogt-, Amts-, Armen-, Handänderungs- Vermögens und Wehrsteuern, das heisst, es war je nach den persönlichen Verhältnissen möglich, dass ein Bauer mit zehnerlei Abgaben rechnen musste. Davon verminderte sich ein Teil in schlechten Jahrgängen; aber trotzdem darf angenommen werden, alle zusammen seien nicht kleiner gewesen als sie heutigen Steuern.

Von den ehemaligen Mühlen

In alten Zeiten wurden die Getreidekörner noch von Hand zwischen zwei Steinen zerrieben. Ums Jahr 800 kamen dann die ersten Mahlwerke auf und später die Wasserräder. Dass auch in Schöfflisdorf schon früh ein solcher Betrieb vorhanden war, geht aus den bereits Anno 1430 erwähnten Bezeichnungen eines dazu gehörenden Baches und einer Wiese sowie aus dem davon abgeleiteten und damals schon bekannten Geschlechtsnamen Mülli hervor. Als man Anno 1580 eine zweite Mühle bauen wollte, wurde dies von Zürich aus verboten.


Die alten Dorfschmieden

Der erste derartige Betrieb befand sich im Chlupf. Im Jahre 1541 verlegte ihn der Schmied Felix Romann nach Schöfflisdorf. Weil er für sein Gewerbe viel Holz brauchte, verkaufte ihm die Gemeinde ein kleines Waldstück im Bann. Anno 1585 gab es hier bereits zwei Schmieden.

Aus der frühen Volkskunde

Hier ist zur Einleitung wieder eine Reihe von allgemeinen Angeben nötig. Die ersten betreffen die Nahrung unserer Vorfahren. Diese bestand meist aus Eigengewächs und war sehr einfach. Als Morgenessen diente eine kräftige Suppe. Die Hauptspeise war neben dem Brot das Hafermus. Ferner hatte man auch schon Gerichte aus Eiern, Mehl und Obst und später solche aus Kartoffeln, hingegen noch eine Teigwaren. Gemüse erschien viel häufiger auf dem Tisch als Käse und Fleisch. Getrunken wurde Wasser, Milch, Wein, Most oder Tee, letzterer aber nur gegen Krankheiten. Als Tischgerät war das Messer weniger wichtig als der Löffel, mit dem man viele Speisen aus einer gemeinsamen Schüssel zu sich nahm. Statt einer Gabel die Finger zu brauchen, galt noch nicht als unanständig. Jede Mahlzeit wurde mit einem kurzen Gebet eröffnet und beschlossen.
Nach dem Grundsatz einer bestmöglichen Selbstversorgung beschaffte mach sich auch den Stoff zur Kleidung. Das Anfertigen der Kleider besorgten die Näherinnen und Schneider meist auf der Stör, das heisst im Hause der Besteller. Am Anfang des 18. Jahrhunderts verbreitete sich auf der Landschaft ein gewisser Wohlstand, der sich unter anderem in prächtigen Riegelhäusern, verzierten Möbeln, bäuerlichen Wappen und schöneren Kleidern bemerkbar machte. Damals kam in unserer Gegend die währschafte Wehntalertracht auf.
Einfach wie die Speisen waren auch die Wohneinrichtungen, und was vorhin von schöneren Häusern und Möbeln angedeutet wurde, betraf ja nur die reicheren Bauern. In den gewöhnlichen Stuben befand sich meist nur ein Kachelofen, ein Tisch, etliche Stabellen, ein Kasten und eine Backmulde. Die Schlafkammern waren eng und finster und die Betten noch mit Laubsäcken ausgestattet. In der Küche hingen über einer Steinplatte an verstellbaren Ketten ein paar eiserne Gefässe, unter denen gefeuert wurde. Darüber war ein grosser Rauchfang, wo man Fleisch und Würste aufbewahrte.
Die von vielen Sorgen geplagten Bauern wollten ihr mühsames Leben doch hie und da etwas verschönern. So entstanden die meisten Bräuche. Besonders lustig ging es da am Berchtoldstag und an der Fastnacht zu und her. An der Auffahrt begaben sich die Burschen und die Töchter auf die Lägern zum Sonnenaufgang. Vergnügliche Zusammenkünfte waren immer auch die Kirchweih, ein grosses Hochzeitsfest, die „Sichellegi“ nach der Ernte, ein sonntäglicher Kegelschub oder die militärische Musterung beim „Klupf“. Im Winter veranstalteten die Töchter oft recht gemütliche „Spinnstubeten“.

Ehemalige Forstwirtschaft

Diese befand sich früher noch in einem sehr mangelhaften Zustand. Viele Wälder waren ungepflegt und die Holzerträge bei weitem nicht so geschätzt wie heute. Eine grosse Bedeutung hatte immer och der Nebennutzen. Davon war die Waldweide am wichtigsten. Die Alten nannten sie „Wunn“, und für das Vieh war sie wirklich eine Wonne, für die Laubbäume aber ein Schaden, weil dabei ihre unteren Blätter abgefressen wurden. Zudem holte man solche für Stallfutter und Streue. Ferner wurden zum Verkauf Kohle gebrannt, Harze gesucht oder Pilze und Beeren gesammelt. Die Jagd war ertragreicher als heute; denn in diesem Zeitraum sah man in unseren Waldungen ausser Hasen, Rehen und Füchsen zwar fast keine Bären mehr, wohl aber viele Wildschweine, Auerhähne, Hirsche und Wölfe. – Nach der Reformation erstreckten sich die fortschrittlichen Bemühungen der Landesväter auch auf die Forstwirtschaft, die man immer mehr zur wichtigsten Einnahmequelle der Gemeinden ausgestaltete. Wiederholt wurden scharfe „Holzordnungen“ erlassen, und einzelne Ratsherren bereisten das Zürichbiet, um diesen Vorschriften Nachachtung zu verschaffen.



3. Teil: Vom Jahre 1800 bis zur Gegenwart


Allgemeine Entwicklung

Im Sommer 1802 verliessen die Franzosen unser Vaterland. Der Besetzung folgten aber nicht sofort friedliche Zustände, sondern vorerst noch weitverbreitete Streitigkeiten, bei denen sich die Anhänger und Gegner der helvetischen Verfassung mit Wort und Schrift bekämpften. Diese politischen Händel veranlassten Napoleon im Jahre 1803, sich erneut in unsere Verhältnisse einzumischen und den Schweizern ein anderes Grundgesetz zu diktieren. Es war dasjenige der Mediation oder Vermittlung, welcher Name andeutet, dass man darin alte und neue Verwaltungsgrundsätze miteinander vermischt hatte. Das Kantonsgebiet wurde in fünf Bezirke unterteilt, von denen jeder 13 sogenannte Zünfte umfasste. Damit meinte man aber keine Handwerksvereine, sondern Wahlkreise. Das nun zum Bezirk Bülach gehörende Schöfflisdorf bildete zusammen mit den benachbarten Orten einen solchen Kreis und war Sitz des Zunftgerichtes. Nachdem Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt worden war, nahm die französische Vorherrschaft ein Ende. Nun drehte man aber bei uns das Rad der Geschichte zu stark rückwärts. Das geschah mit der 1814 eingeführten Verfassung der Restauration, das heisst Wiederherstellung des Alten. Jetzt gelangten die Anhänger der früheren Staatsverwaltung nochmals ans Ruder und wollten viele Zustände wieder so gestalten, wie sie vor 1798 gewesen waren. Das zeigte sich zum Beispiel in der Einrichtung der 11 Oberämter, die in Bezug auf den Umfang und den massgebenden Geist ungefähr den ehemaligen Landvogteinen entsprachen. Damals wurde Schöfflisdorf dem Oberamt Regensberg zugeteilt. Weil viele Vorschläge der kantonalen Behörden in den Akten stecken bleiben, hat Gottfried Keller jene Zeit treffend als „Papierblumenfrühling“ bezeichnet.
Diese altmodische Regierungsweise wurde von den inzwischen aufkommenden Liberalen oder Freisinnigen bekämpft. Man verlangte unter anderem mehr Ratsherren vom Land, die Trennung der obrigkeitlichen Gewerbe, bessere Möglichkeiten des Zehntenloskaufes sowie eine Verkürzung des Kasernendienstes. Auch aus anderen Landesteilen gingen derartige Wünsche ein, und viele davon fanden im neuen Kantonsgesetz Berücksichtigung. Es wurde am 20. März 1831 vom Zürchervolk mit grossem Mehr angenommen. Diese teilweise noch heute geltende Verfassung wurde am 10. April in den Gotteshäusern feierlich beschworen. Die oberste Behörde war nun der Regierungsrat, und von den 212 Grossräten wohnten 141 ausserhalb der Stadt Zürich. Wichtige Änderungen betrafen auch die neuen Ämter der 11 Bezirke.
Im April 1869 wurde eine teilweise erneuerte Staatsverfassung angenommen. Sie brachte dem Zürchervolk eine Reihe weiterer Rechte, und seither amtet an der Stelle des ehemaligen Grossen Rates der Kantonsrat. Mit der demokratischen Bewegung hängt auch die im November erfolgte Verlegung des Bezirkshauptortes von Regensberg nach Dielsdorf zusammen.
Vom früheren Sekundarschulkreis

In den Kirchgemeinden Steinmaur, Regensberg, Schöfflisdorf und Niederweningen befasste man sich schon früh damit, die Vorschläge des Sekundarschulgesetzes von 1833 auszuführen. So entstand im Kanton die zwölfte und im Bezirk die zweite Sekundarschule. Ihre feierliche Eröffnung erfolgte am 24. November 1834. aufgenommen wurden 19 Knaben und 5 Mädchen. Die Platzordnung war auch auf dieser Stufe noch durch Leistungen und Betragen der Schüler bedingt, das heisst, die besseren sassen vorn und die andern weiter hinten.
Im Frühling 1898 wurde in Niederweningen eine eigene Sekundarschule eingerichtet.
Im September 1953 wurde der bisherige Sekundarschulkreis durch einen Beschluss des Kantonsrates aufgelöst.
Das neue Schulhaus wurde nach heftigen Streitigkeiten nicht im Wasen, sondern auf der Schmittenwiese in Niederweningen erbaut und im Juli 1956 eingeweiht.

Die Armenpflege

Diese wurde im Zürichbiet von jeher in hervorragender Weise besorgt. Im Mittelalter diente dazu der vierte Teil des Zehnten. Nach der Reformation verwendete der Staat für solche Zwecke die Vermögen der aufgehobenen Klöster, und dem Gemeinden standen die Kirchengüter, die nach den Gottesdiensten gesammelten Geldspenden oder auch wohltätige Stiftungen zur Verfügung. Bei Feuersbrünsten, Hagelwettern und anderen grossen Unglücksfällen linderte man die Not durch nachbarschaftliche oder allgemeine Liebessteuern.
Was die damalige Armenpflege alles zu besorgen hatte, zeigt am besten ihr Hauptbuch von 1819-1846. als wichtigste Einnahmen wurden notiert ein jährlicher Staatsbeitrag, allerlei Gerichtsbussen oder Vermächtnisse, Einkaufsgebühren, ein Viertel der Hundeabgaben, Schuldzinsbriefe, sonntägliche Almosen und Rückerstattungen von früheren Unterstützungen, was also auch vorkam. Bei den Ausgaben stehen neben anderen die Zahlungen für Brot und sonstige Nahrungsmittel, Stoff, Kleider, Schuhe, Strümpfe, Bibeln, Schulbücher, Schreibmaterialien, Hauszinse, besondere Armenärzte, Spitäler, Badekuren, kranke Durchreisende und Begräbniskosten. Ferner sind oft Reise-, Kost-, Lehr- und Schulgelder erwähnt. Beiträge in bar nannte man „Handsteuern“. Wer dem Verwalter den Zins eines Schulbriefes brachte, erhielt ein kleines Trinkgeld. Ebenso bemerkenswert ist die Tatasche, dass jedem Waisenkind ein Behördenmitglied als sogenannter „Armenvater“ beistehen musste. Dazumal gab es überall viel mehr Arme als heute.
In jedem der drei zur Kirchgemeinde gehörenden Dörfer bestand einst eine besondere Armengutsverwaltung. Nach einem Beschluss des Regierungsrates wurden 1839 die einzelnen Kassen in Schöfflisdorf zusammengelegt. Die Armenpflege unterstützte nur solche Bedürftige, die hier verbürgt waren. Den vielen andern mussten ihre Heimatgemeinden helfen. Nach einem Gesetz von 1927 wurde das so geändert, dass die gesamte Fürsorge nun eine Angelegenheit der Wohngemeinde ist.

Vom Friedensrichter

Dessen Amt führte man bei uns erst mit der Mediationsverfassung von 1803 ein und zwar anfänglich für die ganze Kirchgemeinde. Was etwa behandelt wurde zeigt anschaulich das im Archiv des Bezirksgerichtes aufbewahrte Protokoll der Jahre 1803-1831.
Eine Frau klagte eine Mitbürgerin an, diese habe sie „einen Hund gescholten“ – diese wurde gebüsst. Oder es wurde geklagt wegen der Tötung einer durchgebrannten Ente oder einer totgeschlagenen Katze oder „wegen hinaustreten beim Pflügen auf das mit Runkelrüben und Bohnen bepflanzte Nachbarfeld“. Andere Klagen betrafen hauptsächlich kleinere Diebstähle von Obst, Gemüse, Hanf oder Holz, Nachlässigkeiten beim Weiden oder Wässern, Händel wegen Bürgschaften und entlehnten Sachen sowie leichten Körperverletzungen. Meistens wurde „gütlich abgemacht“, und nur selten erfolgte eine Weiterleitung  an das Bezirks oder Amtsgericht.

Neuere Entwicklung der Gemeinde

Früher galt als Gemeinde in der Regel die „Kilchhöri“. Sie umfasste meist etliche Dorf- oder Zivilgemeinden, die im Wehntal schon lange nicht mehr bestehen. Am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich aus den helvetischen Munizipalitätsorten die politischen Gemeinden, in denen sich seit 1803 auch ein Gemeindeammann betätigte. Noch damals durften in den Versammlungen meist nur Bürger mitreden. Erst als die vielen Niedergelassenen mit dem Kantonsgesetz von 1831 gewisse Rechte erhalten hatten, entstanden nach und nach die heutigen Einrichtungen.
In der ersten Sitzung eines neuen Gemeinderates vereidigte der Präsident seine Mitarbeiter. Der Besuch aller Versammlungen war bei einer Busse obligatorisch. Beim „Gemeindewerk“ durften keine Minderjährigen „oder gar Weibsbilder„ mitwirken. Seit 1832 mussten die jungen, erstmal an einer Versammlung teilnehmenden „Aktivbürger“, wozu nun auch die Niedergelassenen gehörten, einen Eid auf die Verfassung ablegen. Im Jahre 1857 erhielt die Gemeinde nochmals einen „Einzugsbrief“. Danach hatte ein Neubürger dem Gemeindegut, der Schul- und Armenkasse und dem Kirchengut eine Zahlung zu leisten.
Anno 1862 befahl der Gemeinderat etlichen Dorfbewohnern, sie sollten die Kamine reparieren lassen, bessere Blitzableiter und neue Aschenbehälter anschaffen und in den Öfen keine Flachs mehr dörren, weil dies sehr feuergefährlich war.
Die Versammlungen fanden meist in einem Schulzimmer statt. Dabei pflegten viele Teilnehmer nach Herzenslust zu „schloten“. Das wurde ihnen aber 1905 von der Schulpflege wiederholt verboten, worüber im Protokoll steht, hoffentlich errege dieses Rauchen „nicht noch eidgenössisches Aufsehen“.
Die Einführung der elektrischen Kraft und Beleuchtung erfolgte gemäss einem 1910 mit den kantonalen Werken abgeschlossenen Vertrag und war 1911 beendet. Anno 1926 trat das neue Gemeindegesetz in Kraft und 1931 dasjenige über den Finanzausgleich. Im September 1952 erliess der Gemeinderat eine wichtige Verordnung zum Schutze des Südhangs an der Egg.
Ein „schwerer Lupf“ war sodann der 1957 der zusammen mit Oberweningen ausgeführte Bau einer westlich der Station stehenden Kläranlage. Dieses bedeutsame Gemeinschaftswerk hat den Behörden und den Stimmberechtigten beider Dörfer die öffentliche Anerkennung der massgebenden kantonalen Amtsstellen eingetragen.

Vom Rechnungswesen

Damit war es nach der Franzosenzeit recht kümmerlich bestellt, den die vielen Einquartierungen hatten auch dem Gemeindegut sehr geschadet. Die Notlage dauerte überaus lange an, und noch 1816 wies die betreffende Rechnung eine auffallend grosse Schuldenlast nach. Man behalf sich dann eine Zeitlang mit einem stark vermehrten Holzschlag; aber eine wesentliche Besserung trat auch auf diesem Gebiet erst mit der Staatsverfassung von 1831 ein. Das erneuerte Steuerwesen brachte nun den Gemeinden viel mehr Einnahmen. Man stellte zuerst die notwendigsten Ausgaben fest und bestimmte danach in vorsichtiger Weise die Steuern. Zeitgemässe Fortschritte im Rechnungswesen erfolgten dann durch das neue Gemeindegesetz von 1926. Im Jahre 1962 bezahlte man 6% der politischen Gemeinde, 85% der Primarschule, 27% für die Oberstufe, 35% der Kirchgemeinde und 12% dem Friedhofverband. Das waren zusammen 165% der einfachen Staatssteuer, mit welchem Ansatz sich Schöfflisdorf ungefähr in der Mitte aller Bezirksgemeinden befand.

Forstschritte der Forstwirtschaft

Wie die Gemeindekasse kam etwa 30 Jahre nach der Franzosenzeit auch der übermässig beanspruchte Wald wieder in Ordnung. Unter anderem wird aus dem Jahre 1865 berichtet, die Schüler der oberen Klassen hätten während der Unterrichtszeit Eicheln stecken müssen und dafür Brot und Wein bekommen. Im Jahre 1923 führte man gewisse Waldarbeiten zum letzten Mal als „Gemeinwerk“ aus, und mit dem neuen Gesetz von 11926 verschwand auch der bisherige Holznutzen der Bürger.

Wasserversorgung und Feuerwehr

Ehedem war es mit den gemeinsamen Bemühungen um das Wasser nicht weit her. Man bezog es aus nahen Bächen oder privaten Brunnen, die nach und nach durch öffentliche vermehrt wurden. Ihr Besorger war der Brunnenmeister, der in Schöfflisdorf auch die Teuchel anfertigen musste. Diese Zuleitungen bestanden noch lange aus Holz und wurden hier erst 1838 durch Tonröhren ersetzt. Im Jahre 1864 liess die Gemeinde an der Egg neue Quellen fassen. Seit 1871 waren eiserne Leitungen im gebrauch. Ende 1899 redete man im Gemeinderat erstmals von der Notwendigkeit, die ganze Wasserversorgung wesentlich zu erneuern. Aus finanziellen Gründen verzögerte sich die Sache aber, bis dann im Frühling 1903 der Präsident vor die versammelten Mitbürger trat und ihnen im Namen der Behörden laut Protokoll erklärte: „Unsere Vorfahren haben für bessere Schulen und Strassen gesorgt, und wir wollen auch etwas leisten, das dem Gesamten frommt“. Nun wurde der Antrag des Gemeinderates mit grossem Mehr angenommen und mit der Erstellung des Reservoirs, der Brunnen- und Hausleitungen und der Hydranten begonnen. Die Einweihung des ganzen Werkes fand am Sonntag, den 20. November 1904 statt. Da waren viele Häuser beflaggt, und ein ansehnlicher Festzug bewegte sich durch das Dorf. Nach den Weisen einer Blechmusik marschierte das stolze Hydrantenkorps einher. Ihm folgten die Schulkinder, der Männerchor und die Behörden, welch letzteren der Pfarrer in seiner Ansprache auch im Namen der Frauen dankte, die das Wasser jetzt nicht mehr an den Brunnen holen mussten. Einen solchen liess die Gemeinde 1953 als Schmuckstück auf dem Dorfplatz errichten. Im Herbst 1958 wurde ein Zweckverband der „Gruppenwasserversorgung Steinmaur-Schöfflisdorf“ gegründet und ein Grundwasserpumpwerk gebaut.
Die Feuerwehr galt anfangs des 19. Jahrhunderts als mangelhaft, und als sie 1831 nach Dällikon ausgerückt war, hatte sie sich dort „gar nicht gehörig benommen“, weshalb ihr der Gemeinderat einen scharfen Rüffel erteilte und den sonst üblichen Trunk verweigerte. Wesentliche Fortschritte erfolgten erst nach der soeben erwähnten Erstellung von Hydranten und in neuerer Zeit mit vermehrten Übungen und dem Anschaffen von besseren Geräten und Uniformen.

Loskauf von Zehnten und Grundzinsen

Diese mittelalterlichen Verpflichtungen wurden mit der Zeit so verwickelt, dass viele Bauern gar nicht genau wussten, wie sie oder ihre Vorfahren dazu gekommen waren. Nach der Revolution wollten sie sich auch von solchen Fesseln befreien. Das war aber nicht einfach, denn diese auf die Liegenschaften verlegten Schulden bestanden zu recht und galten als ewig. Zu deren Ablösung wurden verschiedene Grundsätze aufgestellt, aber erst diejenigen der neuen Verfassung von 1831 ermöglichten einen tragbaren Loskauf. Beim Zehnten und Grundzinsen wurde die Ablieferung von Nahrungsmitteln durch Geldzahlungen abgelöst. Der Staat rechnete nicht mehr mit den einzelnen Pflichtigen ab, sondern übergab diese Angelegenheiten den Gemeinden. So setzte man 1833 auch in Schöfflisdorf eine Zehntenkommission ein, deren „Trager“ oder Verwalter nun die Aufgabe hatte, das Geld bei seine Dorfgenossen einzutreiben. Einzelne Schuldner verdienten ihr Betreffnis bei Gemeindearbeiten ab, andere beglichen es mit entlehntem Geld oder liessen es nach und nach an ihren Besoldungen abziehen. Diese mühsamen Verrechnungen zogen sich hier bis zum Jahre 1874 hinaus. Dann konnte die Gemeinde dem Staat und andern ehemaligen Bezügern die Schlussbeträge abliefern. Nun wurden in den Notariatsprotokollen alle diesbezüglichen Pfandnotizen gelöscht. Damit fielen noch die letzten Naturalabgaben endgültig dahin. Dieser Loskauf war eine grossartige Geldleistung unserer meist nicht auf Rosen gebetteten Vorfahren. Ihre Schulden verschwanden zwar in vielen Fällen nicht, aber doch die unverständlichen und zeitraubenden Ablieferungen von Getreide und Wein. Anderswo wurden solche Verrechnungen erst kurz vor 1900 abgeschlossen. So lange dauerte es also, bis eine theoretische Forderung der Revolution von 1798 in der Praxis durchgeführt war.

Landwirtschaftliche Neuerungen

Vom Elend der Französischen Besetzungen erholten sich viele Bauern ziemlich bald. Eine örtliche Besonderheit war unter anderem ein enger Zusammenschluss. Hier bildeten nämlich schon1821 alle Grundbesitzer eine „Garantiegenossenschaft“, deren Mitglieder einander bei Konkursen oder sonstigen Notfällen mit Geld aushalfen. Diese segensreiche Einrichtung bestand bis zur neueren Zeit. – Schon am Anfang des 19. Jahrhunderts war der alte Dreizelgenzwang dahingefallen, und als dann auch noch die Naturalabgaben verschwanden, konnte sich die Landwirtschaft viel freier und besser entwickeln . Neue Pflanzungen und Geräte kamen auf, und von 1801 bis 1870 stiegen auch hier die Preise pro Jucharte bedeutend an. Dann machte sich aber infolge der übermässigen Korneinfuhr eine bäuerliche Notlage bemerkbar, die bis zum ende des Jahrhunderts andauerte. Nach 1900 erfolgte wieder ein Aufschwung. Die Landwirte konnten nun Maschinen anschaffen und auch sonst ihre Betriebe verbessern. Dazu gehörte unter anderem die Entwässerung des Wehntals. Schon 1855 hatte man hier die in Windungen hindurchfliessende und oft überschwemmte Surb kanalisiert und bereits 1864 erfolgte die Durchführung eines Dränierkurses. Im Jahre 1918 wurde dann die Talsohle von Schöfflisdorf bis zur Kantonsgrenze entwässert. Daran arbeiteten viele Hilfsdienstpflichtige, 90 Italiener und 80 der deutschen Kriegsgefangenschaf entflohene Russen mit. Zu einer neuen und noch bedeutsameren Melioration oder Verbesserung, die nun mit einer Güterzusammenlegung verbunden wurde, kam es Ende 1956.
Von den einzelnen Zweigen der Landarbeit ist hier der Getreidebau am wichtigsten. Schon 1801 war er wegen der französischen Einquartierung bedeutend vermehrt worden, was man aus dem damaligen Kataster der Grundstückverzeichnis ersieht. Nach dem Wegfall des Dreifelderbetriebs folgten rasch weitere Verbesserungen, zum Beispiel solche in bezug auf das Saatgut, den Absatz und die Bodenbearbeitung. Die letztere war bisher mit dem „Nüelerpflug“ besorgt worden, der die Erde aber nur aufriss. Dann kam der nach seiner Herkunft benannte „Aarauerpflug“ auf. Er hatte nun eine blecherne „Riestere“, welche die Schollen zur Seite schob. Schon nach etwa 30 Jahren wurde er aber durch den noch besseren „Selbsthalter“ verdrängt.
Das Korn wurde früher noch mit der Sichel geschnitten, wozu man viele Arbeitskräfte benötigte. Darum kamen einst ganze Scharen von Burschen und Töchtern aus andern Gegenden ins Unterland zur Ernte, die ein Dorfgeiger mit seinem Spiel einleitete. Nach dem Jahre 1870 ersetzte man die Sichel durch die Sense, aber ältere Bauern betrachteten es noch lange als eine Sünde, die von Gott gesegnete Brotfrucht nur so wie Gras abzuschneiden. Ungefähr zur gleichen Zeit erschienen die ersten Dreschmaschinen.
Im November 1938 herrschte auch in sechs hiesigen Ställen die Maul- und Klauenseuche.
Der Obstbau war nach der Hungersnot von 1817 bedeutend gefördert worden. Damals erschien als zusätzliche Nahrung mehr Dörrobst auf dem Tisch und als Getränk der nun häufiger verwendete Most Viele Fortschritte verdankt dieser Zweig der Landwirtschaft den schon früh durchgeführten Baumwärterkursen sowie der Pflege besserer Sorten.

Naturereignisse  Im Jahre 1811 blühten die Kirschbäume schon Mitte März, und weil bis zum Herbst fast immer schönes Wetter war, gedieh ein hervorragender Wein.
Anno 1817 entstand wegen der vorjährigen Missernte eine Hungersnot. Dannzumal gab man im „Klupf“ den Bedürftigen eine Zeitlang täglich eine „Rumfordische Sparsuppe“. Diese hatte ihren Namen nach einem Amerikaner bekommen und war aus Kartoffeln, Brot, Getreide und Erbsen zusammengesetzt, Ferner verteilte man zu verbilligten Preisen Saatgut und Reis.
Da man 1831 das Eindringen der Cholera befürchtete, liess der Gemeinderat in einem Haus an der Bühlgasse ein Notspital einrichten.
Im März 1876 erfolgte an der Lägern ein 150m breiter Erdrutsch, der 40 Jucharten umfasste und einen grossen Schaden verursachte.
Im Jahre 1918 raffte die Grippe viele Soldaten und Zivilpersonen dahin.
Am 13, Juni 1930 verwüstete ein Wolkenbruch die ganze Gegend. Die Strassen wurden aufgerissen, die Bahndämme unterspült und die Reben zerstört.

Gewerbe

Vor 100 Jahren hatte das Handwerk auch in diesem Dorf einen goldenen oder doch silbernen Boden. Damals zählte man hier viel mehr Berufsleute als jetzt. Etliche von ihnen hatten auf der „Walz“ fremde Länder kennengelernt und berichteten im Alter davon. Zur Selbstversorgung betrieben die meisten noch ein kleineres Bauerngewerbe.
Da gab es also gleichzeitig ein paar Maurer, Zimmerleute, Tischmacher (Schreiner) und „Strauhauer“, welch letztere die Häuser mit Stroh bedeckten. Mehrfach vertreten waren auch Schneider, Näherinnen, Weber, Gerber und Schuhmacher. Lohnende Arbeit fanden ferner der Schmied, ein „Löter“ (Spengler), ein Uhrenmacher, der Kupferschmied, der Küfer, ein Sattler, der Wagner und sogar ein „Wägnerli“. Der „Gabelmacher“  verfertigte hölzerne Heugabeln. Daneben kamen auch Rechen- und Korbmacher vor, und die Müller, Bäcker, Sennen, Käser und Oeler beschäftigten sich im Nahrungsmittelgewerbe. Wie ersichtlich hatte man in Schöfflisdorf keinen Metzger. Die Gemeinde besass zwar zusammen mit Oberweningen im Chlupf ein Schlachtlokal, aber den Fleischverkauf besorgten auswärtige Pächter und zwar nur am Samstag. Erst später betätigten sich hier zeitweise einheimische Metzger.

Im Wirtschaftsgewerbe zeigte sich ein grosser Wechsel der Gaststätten und ihrer Besitzer. Als Hauptwirtshaus der Kirchgemeinde galt von jeher der auf Oberweninger Boden stehende „Klupf“. Er war mit einem alten Tavernenrecht ausgestattet. Wonach man hier auch warme Speisen abgeben und Reisende bewirten durfte. Die Bezeichnung „Krone“ wurde erst am Anfang des 19. Jahrhunderts üblich. – Die früheste Schöfflisdorfer Wirtschaft war offenbar der „Felsenhof“, was man im Hinblick auf die bis 1964 vorhandene altmodisch beschriftete Eingangstafel annehmen darf. Der Name hängt wahrscheinlich mit dem felsigen Untergrund zusammen. Die „Eintracht“ hiess ehedem „Frieden“ (heute Buchdruckerei Kuhn?).- Ausser diesen Gaststätten gab es vor 100 Jahren noch zwei andere, und zeitweise wurde auch in der Mühle und in etlichen Privathäusern gewirtet.

Ähnlich war es in Bezug auf die Läden. Früher kaufte man kleinere Bedarfsartikel an den Jahrmärkten in Regensberg oder Baden. Dann kamen nach und nach Hausierer in die Dörfer. Sie trugen ihre Waren in einem mit Schubladen versehenen Kästchen auf dem Rücken. Später erschienen die verschiedenen Reisenden, um Bestellungen aufzunehmen. Mit der Zeit machte sich auch hier das Verlangen nach einem eigenen Laden bemerkbar. Ein solcher war schon früh im „Felsenhof“, und bereits 1863 gab es in Schöfflisdorf eine Tuch- und Lederhandlung. Aus einem Verzeichnis von 1896 ist ersichtlich, dass ausserdem noch drei andere Läden bestanden.
Als wichtigste gewerbliche Betriebe, deren Eröffnung mit eingeklammerten Jahreszahlen angegeben ist, seien folgende genannt: Das Sattler- und Tapezierergeschäft Diener (1957), die Küferei Fuhrer (1952), die Schmiede und die Schlosserei Hirt (1952), die Schweinezüchtung Krieg, vormals Amsler (1941), die Buchdruckerei Kuhn (1931), das Depot der landwirtschaftlichen Konsum-Genossenschaft Wehntal (1952), das Coiffeurgeschäft (1942) und die Tierhandlung Maurer (1956), das Malergeschäft Rast (1958), die Spenglerei Walder (1951) sowie das Kaminfeger- und Dachdeckergeschäft Weber (1954).

Industrie

Davon redet man, wenn ein Gewerbe mit mehreren Lohnarbeitern und Maschinen fabrikmässig betrieben wird. Ein solches Unternehmen entstand hier schon 1870. Damals errichtete der Aargauer Samuel Hediger im Chaltbrunn eine Wattenfabrik, die von seinem Sohn Gottlieb bis 1923 und von dessen Nachfolger Hermann Fritz bis 1938 weitergeführt wurde. Da stellte man jährlich etwa 100 Zentner Watte her und belieferte damit verschiedene Grossbezüger.
Die Maschinenfabrik Dünki & Co. wurde 1935 gegründet. Hier verfertigte man zuerst Bandsägen sowie Kehl- und Hobelmaschinen, und bald vergrösserte sich der Betrieb. Nach dem im Frühling 1958 erfolgten Hinschied des Geschäftsgründers Max Dünki führte die Firma den gleichen Namen weiter. Dann stellte man die auch im Ausland geschätzten Hartmetall-Schleifmaschinen her. Anfangs 1959 wurde noch eine ähnliche Werkstätte in Seebach übernommen.
Im Mai 1943 verbreitete sich im Wehntal die Kunde, eine auswärtige Firma wolle gegenüber der Station Schöfflsidorf-Oberweningen eine grosse Zementfabrik aufstellen lassen. Nach erregten Zeitungsartikeln, Versammlungen und Eingaben wurde aber das betreffende Baugesuch im Februar 1946 vom Regierungsrat abgewiesen und zwar vorwiegend aus Gründen des Heimatschutzes.
Seit 1958 besteht auch die aus der früheren Bau- und Möbelschreinerei hervorgegangene Fensterfabrik Mülli, die etwa 15 Arbeiter beschäftigt.

Verkehr

Durch ein Gesetz von1833 wurden auch die Strassen wesentlich verbessert, so dass unser Kanton deswegen bald einzigartig dastand. Im Zürichbiet redete man da und dort sogar von einem „Strassenschwindel“, der den Bauern zuviel Land wegnehme. Anno 1843 sollte auch unsere Gegend eine erneute Verbindung bekommen. Ursprünglich war vorgesehen, sie von Sünikon aus in gerader Linie durch das Tal zu führen. Nun aber setzte sich der Pfarrer Heidegger energisch für ihre Verlegung durch Schöfflisdorf ein. Weil eine solche 5000 Franken mehr kostete, wehrten sich die Vertreter der unteren Dörfer in den Zeitungen und vor der Regierung dagegen. Die Mehrheit der letzteren gab aber dem Schöfflisdorfer Gemeinderat und dem dortigen Geistlichen recht. Nach der Überlieferung nannten die Gegner dieser „Gefälligkeitsstrasse“ die Abzweigung beim heutigen Bahnübergang an der Süniker Grenze von da an „Pfaffenrank“. Der Schreibende hat das nach den rühmenden Berichten über den sonst hochgeachteten Pfarrer Heidegger nie recht begreifen können und lange geglaubt, die Bezeichnung hange mir derjenigen des nahen, mittelalterlichen Pfaffenackers zusammen. Neuere Nachforschungen ergaben nun, dass dieser zwar im Kataster von 1801 noch erwähnt wurde, in den Hofbeschreibungen aus 1827 und 1855 aber nicht mehr. Seine Benennung war also bis 1843 in Vergessenheit geraten. Deshalb muss man sich wohl der von verschiedenen alten Gewährsleuten überlieferten Namendeutung anschliessen. Der Pfarrer hatte sich schon im „Straussenhandel“ bei den mehrheitlich freisinnigen Wehntalern der unteren Gemeinde unbeliebt gemacht.
Anno 1866 wurden in der Gegend die ersten Wegweiser aufgestellt und 1877 den Dorfstrassen entlang einige Petrollaternen. Ihr Besorger führte daselbst den stolzen Titel „Lampist“. Statt Strassenwärter sagte man früher Wegknecht, und was dieser 1896 zu tun hatte, geht aus dem damaligen Pflichtenheft hervor. Unter anderem musste er die Strassen in Ordnung halten, in der Gemeindekiesgrube arbeiten, die Bäche reinigen und beim Pfaden mitwirken. Noch vor 1900 wurden auch die hiesigen Verkehrswege erstmals mit Velos, Motorrädern und Autos befahren. Im Jahre 1963 erfolgte im Dorf eine bedeutende Strassenverbreiterung, und am Egghang erbaute man eine neue Bergstrasse.
Zum Verkehr gehört auch die Post. Diese War früher aber noch fast eine Privatsache, die man von reisenden Kaufleuten oder Gewerbetreibenden besorgen liess. Amtlich wurde sie erst, als nach der Revolution einzelne Gemeinden besondere Boten angestellt hatten. Diese gingen, ritten oder fuhren nach Zürich und kehrten stets in der gleichen Gaststätte ein. Jeder kannte auch die Quartiere der andern Boten, wo man die Postsachen austauschen konnte. Bei diesem Wirtschaftsbetrieb klappte es nicht immer, was aber wenig ausmachte, denn man nahm anno dazumal alles viel gemütlicher als heute.
Am 18. März 1842 wurde dann der Postwagenkurs Zürich-Dielsdorf-Niederweningen eröffnet. Nun ratterte zweimal die Woche eine dreispännige gelbe Kutsche einher, in der acht Reisende Platz fanden. Im gleichen Jahr richtete man im „Klupf“ ein Postbüro ein. Anno 1843 erschienen bei uns die ersten Briefmarken. Diejenigen zu 4 Rappen galten nur für die Stadt, die Stücke zu 6 Rappen aber für den ganzen Kanton. Die genannte Poststelle wurde 1854 nach Schöfflisdorf verlegt und seit 1855 war ein täglicher Kurs im Betrieb. Nach der Eröffnung der Bahnlinie Oberglatt-Dielsdorf fuhr das Pferdegespann nur och durch das Wehntal, und als man die Bahnlinie bis nach Niederweningen verlängert hatte, verschwand die alte Postkutschenromantik ganz aus unserer Gegend. Von 1883 bis 1919 befand sich im Postbüro das einzige Telephon dieses Dorfes. Für Telegramme benützte man den Apparat in der Bahnstation. Im Jahre 1924 kamen auch hier die ersten Radiogeräte auf und um 1954 die Einrichtungen zum Fernsehen. – In diesem Zusammenhang sei noch etwas über die Zeitungen gesagt. Sie erschienen auf der Landschaft erst vor etwa 100 Jahren und hatten ihren Namen daher, weil sie allerlei über die betreffende Zeit berichteten. In unserer Gegend waren ausser den kantonalen uns städtischen Blättern hauptsächlich der Ende 1858 gegründete „Lägern-Bote“ und der „Bülach-Regensberger Volksfreund“ verbreitet. Dazu kam 1869 das „Volksblatt von Dielsdorf“, das dann bald den Titel „Wehntaler „ annahm. Seit 1948 heisst diese in Bassersdorf gedruckte Tageszeitung „Zürichbieter“, und am Anfang des folgenden Jahres erschien in Bülach erstmals der „Zürcher Unterländer“.
Die Eisenbahn kam relativ spät in dieses Tal. Schon 1843 war zwar im  Zunftverein darüber ein Vortrag gehalten worden; aber die meisten Zuhörer hatten sich geäussert, sie würden nie in einen so schnell fahrenden „Dampfwagen“ sitzen. Die erste zürcherische Linie erbaute man 1847 von der Hauptstadt nach Baden. Sie hiess nach einem von dort heimgebrachten Gebäck „Spanischbrötlibahn“. Da deren Benützer entgegen vielen Befürchtungen weder herzkrank  noch ohrenleidend oder wahnsinnig geworden waren, verschwand das Vorurteil über das neue Verkehrsmittel, und andere Landesteile wollten nun auch ein solches haben. So kann es 1865 zum Bau der Strecke von Oerlikon nach Bülach, deren Seitenlinie von Oberglatt nach Dielsdorf führte. Im Hinblick auf die am meisten transportierten Güter nannte man sie „Herdöpfelbahn“. Sie war 1871 neben anderen Ursachen ein Grund zur Verlegung des Bezirkshauptortes von Regensberg nach Dielsdorf.
Schon damals plante man in massgebenden Kreisen eine Verlängerung nach Niederweningen. Nun entstanden aber im Wehntal in Bezug auf die Gemeindebeiträge und die Ortsbestimmung der Stationen jahrelange Streitereinen. Darum konnte man mit den Bauarbeiten erst Anno 1890 beginnen. Die 6,6 km lange Stecke kostete eine Million. Ihre Einweihung erfolgte am 9. August 1891. An jenem Samstagmorgen wurden die Leute durch Kanonendonner geweckt. Nach 10 Uhr kam der geschmückte Zug von Dielsdorf und Steinmaur her zur Station Schöfflisdorf-Oberweningen. Hier standen Trachtenmädchen bereit, reichten den Gästen Ehrenwein und hielten ein Spruchband  mit dem folgenden Text empor: „Wir haben, liebe Talgenossen, bis jetzt die Lasten selbst gestossen. Heil uns, dass heut jedermann, dies per Bahn besorgen kann!“. Die einst vorgesehene Weiterführung der Linie durch das Surbtal unterblieb; aber 1938 erfolgte noch eine Verlängerung bis zur Maschinenfabrik Bucher-Guyer. - Der frühere Betrieb unserer Wehntalbahn war hie und da sehr gemütlich. Wenn zum Beispiel der in Niederweningen übernachtende Lokomotivführer nicht rechtzeitig erwachte, begann der Kurs eben später, ohne dass jemand deswegen reklamierte. Ferner kam es vor, dass man bei schlechtem Wetter auf offener Strecke anhielt, um die in der Nähe bemerkte Hebamme mitzunehmen. Die „Dampfrosse“ wurden später als „Glettyse“ oder „Choli“ bezeichnet und ihre Besorger als „Schwarzfahrer“, die nicht selten auf dem Kessel Würste rösteten.
Im Jahre 1959 begann auf der Linie Oberglatt-Niederweningen die Umstellung zum elektrischen Betrieb. Da wurden Unterlagen verstärkt, Fahrleitmaste angebracht und die auch baulich erneuerten Stationen mit vielen modernen Einrichtungen ausgestattet. Die Einweihung fand am 28. Mai 1960 statt und nahm ähnliche Formen an wie diejenige von 1891. Diesmal aber wurde die Wagenreihe von einer elektrischen Lokomotive gezogen, die man überall gebührend bestaunte. Bei jeder Station gaben die Schüler und Vereine allerlei Darbietungen zum Besten. In Schöfflisdorf spielte die Musik, und die Kinder sangen das passende Lied vom schönsten Wiesengrunde. Hinter ihnen stand eine grosse Tafel, auf welcher der folgende Spruch zu lesen war:

„Wir heissen alle Gäste willkomm zum frohen Feste.
Der Choli ist verschwunden, er liess ich überrunden.
Das Fahren mit dem Dampf, das war ein grosser Kampf.
Die Bahn fährt jetzt mit Strom. Kommt später das Atom?
Kein Rauch belästigt mehr, das freut uns alle sehr.¨
Und sind wir auch die Letzten und weit Hintangesetzten
Am Fuss der Lägern hier, die man vergessen schier,
so feiern wir nun um so mehr als treue Schweizer wie bisher.“

Um 12 Uhr fuhren die Wagen vom Wehntal nach Dielsdorf, wo ein gemeinsamer Umzug und ein Festessen veranstaltet wurden, und am Nachmittag durften die Schulkinder der Gegend die elektrifizierte Bahn gratis benützen.
Als neueste Verkehrsmittel sind noch die Motorfahrzeuge zu nennen. In Schöfflisdorf zählte man 1962 deren 124. Es waren 48 Personenautos, 20 Traktoren, 3 Lastwagen und 53 Motorräder. – Eine Zeitlang sah es sogar aus, als ob hier ein kleiner Flugplatz entstehen könnte. Seit dem Jahre 1932 veranstalteten nämlich Segelfluggruppen aus Baden und Zürich am Lägernhang ihre Übungen, die bald wieder eingestellt wurde. Sie waren von Fachleuten geleitet und stets von vielen Schaulustigen besucht.


Entwicklung der Primarschule

Da nach altem Brauch nur über den Winter alle Kinder unterrichtet wurden, vergassen viele davon das gelernte bis zum nächsten Herbst, weshalb man immer wieder versuchte, die Sommer- oder Repetierschule zu verbessern. Das geschah hier anno 1807 so, dass sie täglich von 1-2 Uhr gehalten werden sollte. Weil das bisherige Unterrichtslokal im Pfarrhaus für die zunehmende Anzahl der Kinder nicht mehr genügte, befasste sich der Stillstand im Jahre 1810 mit dem Plan, ein besonderes Schulhaus erbauen zu lassen. Aus den Rechnungen ist ersichtlich, wie es beim Aufrichtmahl vom 2. August 1811 zuging. Da wurden den Handwerkern Nastücher gespendet und zum Abendessen „wegen grosser Hitze“ etliche Tansen Wein. Solchen erhielten auch die Kinder, welche die Ziegel hinaufgeboten hatten, sowie die Bürger, die in der neuen  Schulstube noch „35 Pfund Käse und 104 Pfund Brot verzehrten“. Es handelt sich hier um jenes Gebäude, in dem noch heute die Gemeindekanzlei ist. Unten befand sich das Schulzimmer und oben die Wohnung. Dazumal musste der Lehrer das Schulholz noch selber sägen und spalten und  auch das Heizen besorgen.
Nach der neuen Schulverfassung von 1831 musste eine besondere Schulpflege gewählt werden. Darin betätigten sich Pfarrer Heidegger, Gemeindepräsident Harlacher, Muller Hirt, Zunftrichter Utzinger, Lehrer Hirt und Gemeindeammann Surber. Den Vorsitz nahm der Geistliche ein, was von Amtes wegen und später auf dem Land auch sonst üblich war, in Schöfflisdorf zum Beispiel bis 1949. Die zwei letztgenannten vertraten die Gemeinde Oberweningen. Wie man sieht, bestand 1831 für beide Nachbardörfer eine gemeinsame Pflege. Jeder ort hatte aber ein besonderes Schulgut. Unterrichtet wurde von 9-12 und nach dem Essen von 1-3 Uhr. Am Sonntag von 3-4 war Singschule. Interessant ist auch die damalige Ansetzung der Ferien: solche richtete man in dieser Bauerngemeinde noch ganz nach den landwirtschaftlichen Arbeiten. Dabei mussten die Kinder nach Kräften mithelfen und zwar im Frühling „beim Rebwerk“ drei Wochen, dann drei im Heuet, drei beim Kornschneiden, zwei im Emdet, zwei beim „Herdöpflet“ und eine Woche beim Einheimsen und Mosten des Obstes. –Die weitere Entwicklung des Schulwesens wurde durch das neue Unterrichtsgesetz von 1832 gefördert. Jetzt gelangten auch im Heimatkanton Pestalozzis dessen Grundsätze einigermassen zur Anwendung, und viele damalige Einrichtungen bestehen heute noch. Die unbefriedigende Sommerschule fiel dazumal ganz weg, und der Sigristendienst wurde vom Lehramt abgetrennt. Im Jahre 1834 wurde die Sekundarschule gegründet.
Die Hauptfächer der Primarschule waren damals Biblische Geschichte, Sprache, Schreiben, Rechnen, Singen und „etwas Geschichte und Geographie“. Als Gehilfen stellte der Lehrer gelegentlich sogenannte „Monitoren“ an. Das waren begabte Knaben, von denen aber geschrieben wurde, sie seinen „mit den jüngeren Schülern nicht immer artig genug umgegangen“. Einst wirkte hier auch ein Seminarist. Dieser erhielt von der Pflege einen scharfen Rüffel, weil er sich einmal „beweint“, das heisst betrunken hatte. Wahrscheinlich mochte der junge Mann den kräftigen „Schöfflisdorfer“ noch nicht ertragen. Von 1837 an bestand mit Sitz in der Gemeinde jahrelang eine „Privatkonferenz“, welche Arbeitsgemeinschaft die Lehrer im Wehntal zu ihrer Fortbildung gegründet hatten. Daneben gab es seit 1832 auch schon ein amtlich geregeltes Schulkapitel.
Anno 1859 wurde wieder ein neues Unterrichtsgesetz eingeführt und damit ein weiterer Fortschritt begründet. In Bezug auf den 1861 vollendeten Bau des heutigen Schulhauses hatten sich zwei Parteien gebildet. Nach den „Einfachen“ sollte es nur für die Primarschule eingerichtet werden, nach den „Doppelten“ auch für die Sekundarstufe. Die ersteren rissen das Baugespann nieder und holten ihre Anhänger sogar in Schlitten zur Abstimmung, unterlagen aber trotzdem.
Gemäss der neuen Verfassung von 1869 war der Schulbesuch von da an unentgeltlich. Die Eltern mussten nun den Kindern nicht mehr jede Woche den „Schullohn“ mitgeben, und was der Lehrer dadurch verlor, bezahlten der Staat und die Gemeinde.
Im Frühling 1871 wurde als neuer Jugenderzieher der Lehrer Heinrich Merki eingesetzt und zwar fast so feierlich wie ein Pfarrer. Er stammte aus Niedersteinmaur, hatte vorher in Aesch bei Birmensdorf geamtet und war aus einer Reihe von Mitbewerbern siegreich hervorgegangen. Die Behördenvertreter holten ihn bei der Station Dielsdorf ab, und von der Süniker Grenze an marschierte er an der Spitze eines Festzuges ins Dorf hinein. Dort war in der Kirche ein Empfang, wobei der Pfarrer den Schülern ihren neuen Lehrer mit einer kurzen Ansprache vorstellte. Diese erhielten zum Abendessen eine Wurst und Brot und diejenigen der oberen Klassen ein Glas Wein. Was die Mitglieder der Behörden assen und tranken, mussten sie diesmal selber bezahlen. – Als Volkserzieher nahm sich Merki auch der älteren Knaben an und eröffnete für sie 1879 eine freiwillige Fortbildungsschule. Mit den Bauernburschen unterhielt er aus eigenen Mitteln eine grosse Baumschule. Seine Frau Anna, geb. Rasi war hier 42 Jahre lang Posthalterin.
Seit 1880 wurden auch Turnexamen veranstaltet, und 1882 führte man nach allerlei Widerständen die Antiqua oder lateinische Schrift ein. Im Frühling 1886 kam es dann zur Abtrennung de Oberweninger Schule, so dass für Schöfflisdorf eine eigene Pflege bestellt werden musste. In jenem Jahre fand „strafweise“ keine Schulreise statt, weil viele Kinder sich unbefriedigend aufgeführt hatten. – Ein wesentlicher fortschritt erfolgte durch ein kantonales Gesetz von 1899, wonach nun auch der Bezug aller Lehrmittel unentgeltlich war. Die Einzelheiten des Schulbetriebes regelte man 1905 mit einem jetzt noch massgebenden Lehrplan.
Im Herbst 1915 wurde die anstrengende Achterklasse getrennt: von da an besuchten mit Ausnahme eines zeitweiligen Wechsels die ersten vier Klassen den Unterricht in Schöfflisdorf und die andern denjenigen in Oberweningen.
Ab 1962 wurden die Schüler so verteilt: 1. und 2. Klasse  in Oberweningen, 3. und 4. sowie 5. und 6. Klasse in Schöfflisdorf, Oberstufe in Niederweningen. Am 1. Januar 1962 kam es sodann zum Zusammenschluss der beiden Pflegen und zur Bildung der neuen Primarschulgemeinde Schöfflisdorf-Oberweningen. Deren erste, gedruckt vorliegende Rechnung weist bereits einen ansehnlichen Überschuss auf, und im zwischen beiden Dörfern gelegenen Rietli wurde schon das Land  für ein gemeinsames Schulhaus erworben.

Die Flecht- und Arbeitsschule

Anno 1825 wurde in den Dörfern des Wehntals nach den Anregungen der Geistlichen die Strohflechterei eingeführt. Damit wollte man den Töchtern einen gewissen Nebenverdienst zuhalten. In Schöfflisdorf gingen viele Anmeldungen ein, und das Kirchengut steuerte für das „Schaub“ (Stroh) 50 Gulden bei. Als Lehrerin wurde die Jungfer Elisabeth Sigrist aus dem Aargau angestellt. Jedes Mädchen musste ihr im Monat einen Schilling bezahlen. Der Unterricht fand an bestimmten Abenden statt, und die Beleuchtungskosten übernahm die Armenpflege. Das Geflecht für Hüte und Matten wurde einem Geschäft in Baden abgeliefert. Daraus löste man 1825 in Schöfflisdorf 203 Gulden. Diese „Flachsanstalt“ hatte aber mit der Zeit immer weniger Besucherinnen und musste 1832 den Betrieb einstellen.
Im Jahre 1835 wurde der hiesigen Sekundarschule eine „Nähanstalt“ angegliedert. Eine solche für die Mädchen der unteren Stufe eröffnete man erst 1838 und zwar schon mit der Bezeichnung Arbeitsschule. Weil das Nähen einfacher Kleidungsstücke früher das Hauptfach war, sprach der Volksmund aber noch lange von einer Nähschule. Die Aufsicht besorgte schon früh die Frauenkommission. Das Unterrichtsgesetz von 1859 erklärte den bisher freiwillig gewesenen Besuch der Arbeitsschule als obligatorisch, und die Einzelheiten wurden hier 1861 mit Statuten geregelt, aus denen ersichtlich ist, wie hoch man dazumal den praktischen Wert aller auzufertigenden  Gegenstände einschätzte. Als wichtigste galten jahrzehntelang etwa Mützen, Halstücher, Schürzen, Hemden, Röcke, Handschuhe und Strümpfe, und wenn sie in der Schule hergestellt wurden, konnte man daheim allerlei ersparen. Das war nach damaliger Auffassung fast der Hauptzweck dieser Einrichtung. Der Unterricht fand an freien Nachmittagen oder abends im Schulzimmer statt, und besondere Tische standen nicht zur Verfügung.
Schon 1886 bestand neben dieser Einrichtung eine besondere „Flickschule“ für Töchter und Frauen. Sie wurde später durch gut besuchte Kurse im Kleidermachen und Glätten ersetzt, und seit vielen Jahren gibt es auch im Wehntal eine hauswirtschaftliche Fortbildungsschule.

Aus der neueren Volkskunde

Im vergangenen Jahrhundert gestalteten sich die hiesigen Lebensverhältnisse noch so einfach, wie sie der Fürsprech Surber 1869 beschrieben hat: „Das Vieh besorgen, im Sommer Felder und Reben bearbeiten, im Winter spinnen, an Sonntagen in die Kirche gehen und gelegentlich einen Markt besuchen, das war der gewöhnliche Lebenslauf unserer Leute“. Auffallend ist sodann noch eine Bemerkung des Pfarrers Fäsi der 1817 in einem Vortrag feststellte: „Zwischen den Ehegatten sind Zärtlichkeiten nicht so allgemein, wie man wünschen möchte. Schon das, dass die Frau, wenn sie von ihrem Mann redet, ihn gewöhnlich Meister nennt, zeigt das Verhältnis, in welchem sie zu ihm steht. – Die Gutthätigkeit aber möchte ich den hiesigen Leuten nicht absprechen.“ Damit hängt eine ausgeprägte Gastfreundschaft zusammen. Die Alten sagten zum Beispiel, wenn Besuch komme, müsse man auftischen, als ob man geuden wolle.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts war aber auch im Wehntal allgemein üblich geworden, Kaffee zu trinken. Zusammen mit Milch verdrängte er immer mehr die frühere Morgen- und Abendsuppe. Interessant ist sodann die einstige Auffassung über den unbedingt notwendigen Unterhalt der älteren Personen.
Um 1860 änderte sich auch die Kleidung, besonders die weibliche Wehntalertracht. Die langen Hemdärmel ersetzte man nun durch kurze. Diese wurden eigenartig geglättet und oben etwas angezogen. Damit wollte man gemäss einer bekannten Modeströmung eine recht breite „Postur“ darstellen. Der rote Unterrock blieb nicht mehr sichtbar, und statt einer geblümten Schürze wurde jetzt eine blaue getragen. Damals kam auch die Tellerkappe auf, die das Gesicht schön umrahmt. Früher wurde eine Hochzeiterin gewissermassen lebenslänglich mit Wäsche und Kleidern ausgestattet.
Die meisten Ortsbräuche blieben im 19. Jahrhundert erhalten. So war zum Beispiel eine Hochzeit immer noch ein Fest der ganzen Gemeinde. Am frühen Morgen wurde von Mitgliedern des Knabenvereins mit Mörsern geschossen. Der Bräutigam spendete ihnen eine Tanse Wein sowie Käse und Brot und erhielt dafür einen gerahmten Hausspruch. Wenn die Sohnsfrau nach der kirchlichen Feier zu ihrem neuen Heim kam, wurde sie vor der Türe vom Schwiegervater mit ein paar herzlichen Worten willkommen geheissen. Das Mittagessen fand meist daheim statt, und nachher spazierte man etwas umher und warf den Kindern „Feuersteine“ zu. Solche „Zeltli“ gehörten unbedingt zu einer Hochzeit und waren in Papierchen eingewickelt, die oft diesbezügliche Sprüche enthielten. Am Abend ging die ganze Gesellschaft in ein Wirtshaus, wo sich auch die andern Dorfbewohner einfanden. Diese oder ihre Kinder „trugen etwas in die Uerte“, das heisst, sie schenkten dem Hochzeitspaar meist einen Haushaltgegenstand und wurden dafür reichlich bewirtet. Nach dem Essen begann ein allgemeines Tanzen, bei dem die Trachtenjüppen flogen und der Boden erzitterte. – Am 1. August 1891 kam als neuer Brauch die Bundesfeier auf. Wie grossartig sie hier gestaltet wurde, ist aus einem noch vorhandenen Programm ersichtlich. Um 1 Uhr besammelten sich die Teilnehmer beim Schulhaus, wo der Männerchor und die Singschüler Lieder vortrugen. Dann fand ein Umzug statt, an dessen Spitze Musikanten, Trommler und Fahnenträger einher stolzierten. Nachdem er wieder beim Schulhaus angekommen war, führte man dort das Theaterstück „Pestalozzi im Neuhof“ auf. Dann wurde nochmals gesungen, und hierauf hielt der Pfarrer eine vaterländische Rede. Nachher ging man in einen Baumgarten oberhalb des Dorfes. Dort marschierte die Schuljugend in einem zierlichen Reigen auf. Die Knaben belustigten sich sodann mit dem alteidgenössischen Sacklaufen, Seilkampf, Ringen und Steinstossen. Die Mädchen gaben etwas feinere Darbietungen zum besten, unter anderen die bekannten Singspiele. Den Abschluss bildete ein „Bankett im Klupf“, bei dessen erstem Teil auch die Kinder bewirtet wurden.
Zur Volkskunde gehören auch einige Angaben über die frühere Gesundheitspflege. Weil diese eher privater Natur war, enthalten die amtlichen Akten nicht viele diesbezügliche Berichte. Immerhin steht im ersten Stillstandsprotokoll etwas von einer schon 1808 durchgeführten Pockenimpfung.
Welche Krankheiten man dazumal auch in dieser Gegend kannte, ist aus den Todesursachen ersichtlich, die von den Pfarrherren nach Angaben der Ärzte von 1819 bis 1862 in ihr Verzeichnis notiert wurden. Die alten Krankheitsnamen lauteten wie folgt: Auszehrung (Schwindsucht), Steckfluss (Lungenentzündung), Engbrüstigkeit (Asthma), Influenza (Grippe), Apoplexie (Schlaganfall), Magenverhärtung, Kolik, Dysenterie (Ruhr), Faul-, Fleck- oder Nervenfieber (Typhus), Geschwür (Krebs), Wassersucht, Arthritis (Gicht), Convulsionen (Krämpfe), Kinderweh (Sammelname für Säuglingskrankheiten), Bräune (Diphtherie), Friesel (Ausschlag), Variolis (Pocken), Melancholie (Schwermut), Schlagfluss (Gehirnblutung) und Marasmus (Altersschwäche). Man bekämpfte solche Gebresten so gut als möglich mit Hausmitteln und liess den Arzt meistens erst dann kommen, wenn es schon zu spät war. Darum heisst es im obengenannten Verzeichnis bei etlichen Toten, sie seinen „ohne ärztliche Hülfe gestorben“. Um die Gesundheitspflege bemühte sich früher wie eine Art Gemeindeschwester stets auch die Hebamme.

Auswärtige Schöfflisdorfer

Zu den hervorragenden Bürgern gehörten die Oberrichter Hans Jakob und Dr. Eugen Meyer. Der erste kam 1824 zur Welt und wurde schon in jungen Jahren Kanzlist des Obergerichtes. Anno 1855 wählte ihn das Bülacher Bezirksgericht zu seinem Schreiber. Als solcher erwarb er sich beim fleissigen Selbststudium viele Kenntnisse, so dass er 1864 dortiger Gerichtspräsident und 1869 Oberrichter wurde. Damals siedelte er nach Zürich über wo er das Bürgerrecht erwarb, auf dasjenige von Schöfflisdorf aber nicht verzichtete. Sein 1866 geborener Sohn Eugen besuchte in der Stadt die Volks-, Mittel- und Hochschule und vollendete das Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Berlin und Heidelberg. Den Doktortitel erwarb er 1892 und wurde 1895 Mitglied des Bezirksgerichtes Zürich. Von 1905-1931 amtete er als geschätzter Oberrichter und langjähriger Präsident des Handelsgerichtes. Nach dem Rücktritt vom Amt konnte sich der geistig regsame Mann neben dem Schachspiel noch ein paar weiteren Liebhabereinen widmen, zum Beispiel dem Studium der Sternkunde, der Mathematik, der Physik und der englischen Sprache.

Auch der bei den Turnern und Soldaten wohlbekannte Professor Dr. Karl Albert Mülly entstammte einem alten Schöfflisdorfer Hauptgeschlecht. Seine Eltern wohnten aber in Zürich, und dort begann am 12. Oktober 1877 ein einfachen Verhältnissen sein durch Begabung, Gesundheit, Tatkraft und Glück bedingter Lebenslauf. Am Seminar in Küssnacht bildete sich der junge Mann zum Primarlehrer aus. Nachdem er 1899 auch noch Sekundarlehrer geworden war, studierte er in Zürich, London und Paris Physik und Mathematik und doktorierte 1914. Seine moderne Auffassungen des Sportes verbreitete er durch interessante Bücher. Seit 1920 war Dr. Mülly Dozent an der ETH und 1933 wurde er Professor.

Aus dem gleichen Geschlecht, von dem er die währschafte Eigenart und den bodenständigen Sinn erbte, ging der Kunstmaler Rudolf Mülli hervor. Nach dem Besuch der Sekundarschule machte der begabte Jüngling bei einem Dekorationsmaler in Zürich eine Lehre und eignete sich dabei jenes handwerkliche Können an, das man seinen Gemälden auf den ersten Blick ansieht. Dann bildete er sich in der Kunstgewerbeschule weiter aus und hernach in der Akademie zu München. Dort erhielt er für ein Soldatenbild einen ersten Preis und an der Weltausstellung in Brüssel eine Medaille. Nach und nach kam der bescheidene Mann zum verdienten Ansehen.

Als berühmtester Schöfflisdorfer gilt der Griechenfreund Johann Jakob Meyer. Er wurde am 30. Dezember 1798 in Zürich geboren, wo der zur Linie der „Sennen“ gehörende Vater Dr. Johannes Meyer den Beruf eines Arztes ausübte. Sein Sohn bildete sich zum Apotheker aus, führte dann aber eine Zeitlang ein recht unstetes Leben. Er weilte in Paris und Frauenfeld und studierte zu Freiburg im Breisgau während eines halben Jahres Medizin, wobei er mehr Schulden als Fortschritte machte. In Elgg erwarb er sich bei seinem dorthin gezogenen Vater noch etliche Grundbegriffe der Heilkunst und wurde fortan Doktor genannt. Im Frühling 1821 brach dann in Griechenland ein gegen die türkische Gewaltherrschaft geführter Freiheitskampf aus, und es entsprach der Abenteuerlust Meyers, dass er sich sofort den vielen Griechenfreunden aus halb Europa anschloss und nach dem Kriegsschauplatz reiste. Sein Standort war die etwa 10 000 Einwohner zählende Hafenstadt Missolunghi. Dort raffte er sich mitten im grössten Elend zu einer ernsthaften Lebensführung auf und fand endlich eine ihm zusagende Arbeit. Zuerst liess er mit Hilfe der Behörden das Spital erweitern und besser einrichten. Dann wirkte er massgebend dabei mit, dass überall Geld zur Unterstützung der Griechen gesammelt wurde. Ihren Widerstandswillen steigerte Meyer als freiheitsliebender Schweizer auch durch die Presse, womit er das dortige Zeitungswesen begründete. Um die Stadt herum erstellte man starke Festungswerke, und eines davon erhielt den stolzen Namen „Wilhelm Tell“. Dann kamen aber die mohammedanischen Ägypter ihren türkischen Glaubensgenossen zu Hilfe, so dass die Lage der eingekreisten Griechen immer misslicher wurde. Am 23. April 1826 entschlossen sie sich zu einem Ausfall, um die Linien der Gegner zu durchbrechen und die hungernde Zivilbevölkerung in Sicherheit zu bringen. In diesem Verzweiflungskampf stand Meyer als Offizier an der Spitze der Truppe und fiel mit ihr als Held. Dann drangen die Feinde in  die Stadt ein und wüteten unter den christlichen Bewohnern in grauenhafter Weise. Auch wenn dieser Aufstand missglückt war, galt er doch als erste einer Reihe weiterer Massnahmen, die Griechenland anno 1830 endlich von den Türken befreiten, und dass dabei ein „Elvetos“ mitgewirkt hatte, vergassen die Bürger von Missolunghi nie. Als sie100 Jahre später das Jubiläum jene Kampfes begingen, gaben sie über diesen Schöfflisdorfer eine Volksschrift heraus, benannten eine Strasse nach seinem Namen und erstellten in ihrer Begeisterung zwei Denkmäler. Das eine, das für alle Gefallenen gilt, befindet sich im „Park der Helden“, das andere für Meyer allein in der Nähe des Hafens.


(2008-07-03: bearbeitet von Alois Buchegger)

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